Wie entsteht Bienenwachs?

Jeder kennt Bienenwachs: der angenehm weiche Duft und die typisch gelbe Farbe. Als kleiner Schüler habe ich ein paar Male Kerzen aus Bienenwachs gezogen. Es war immer ein Erlebnis und gleichzeitig faszinierend, wie aus einem Produkt, welches durch winzig kleine Tierchen hergestellt wird eine Kerze entsteht: Bienen -> Wachs -> Kerze -> Feuer & Licht.

Im Sommer fliegen und summen die Bienchen umher und wenn man sie genau beobachtet sieht man an ihren Hinterbeinen kleine gelbe Bäuschchen. … aber nach Wachs sieht das noch nicht aus.

Eine einzelne Biene schwärmt ca. 10x pro Tag aus und bestäubt pro Flug bis 100 Blüten. Ein Bienenvolk besteht aus 30’000 bis 70’000 Bienen. Es sind jedoch lediglich ein Drittel davon Sammelbienen. Folglich bestäubt ein einziges Bienenvolk täglich bis zu 23 Millionen Blüten!

Verwendung von Bienenwachs

Bienenwachs ist unglaublich vielfältig in seiner Anwendung. Oftmals wissen wir es nicht einmal, aber zwischendurch mal ein Blick auf die Verpackung fördert erstaunliches zu Tage:

  • Cremes für die Hautpflege
  • Lippenstift
  • Shampoo
  • Pflegebalsam
  • Gummibärchen
  • Lakritze
  • Zur Oberflächenbehandlung von Obst

Zudem wird Bienenwachs auch noch verwendet:

  • Bei der Restauration alter Gemälde
  • Zum „Wachsen“ von Parkett oder Möbelstücke
  • Für die Herstellung von Kerzen

Ein richtiger „MacGyver“ Rohstoff, der für alles Mögliche zu gebrauchen ist. Aber damit nicht genug: Bienenwachs wirkt auch antibiotisch. In der Lebensmittelindustrie ist er übrigens als E901 zuglassen.

Gummibärchen
Bienenwachs ist ein beliebtes Überzugsmittel für Gummibärchen. Die Gummibärchen kleben dann weniger zusammen.

Und wie entsteht Wachs?

Bereits ab dem Alter von 12 Tagen kann eine Biene Wachs „produzieren“ (eine Biene wird im Normalfall lediglich ein paar Wochen alt). Dafür hat sie am Hinterleib acht Wachsdrüsen. Aus diesen Drüsen kann die Biene Wachs in Form von kleinen Plättchen pressen. Diese wiegen gerade mal 0.8 Milligramm.

Die kleinen Plättchen sind brüchig und fast durchsichtig. Mit einem Hinterbein nimmt die Biene die Plättchen ab und steckt sie ins Mundwerkzeug. Durch das Kneten mit den Mundwerkzeugen gelangt Speichel in den Rohwachs, welcher diesen geschmeidig macht.

Rohstoff für das Wachs ist der Blütennektar. Der Nektar der für die „Produktion“ von 1kg Bienenwachs benötigt wird, hätte für ca. 4-10 kg Honig gereicht. Eine teure Umwandlung.

Es sind lediglich die Arbeiterinnen unter den Honigbienen, welche Wachs produzieren. Eine Arbeiterbiene ist man nicht auf Lebenszeit sondern lediglich zwischen dem 14. und 16. Tag ihres Lebens. Jeder ist also mal an der Reihe.

Bienenwachs, der Zement im Bienenstock

Bienen sind nicht an Gummibärchen und auch nicht an Kerzen interessiert. Wachs dient den Bienen als Baustoff: der Zement des Bienenstocks sozusagen. Sie bauen damit die Waben, welche wiederum die „Zimmer“ des Bienenstocks sind. Die Waben dienen zum aufziehen von Larven oder als Vorratskammer für Honig und Pollen.

Bienen in der freien Wildbahn müssen alles selber bauen. Bienen in einem Bienenstock bekommen Starterhilfe. Der Imker stellt den Bienen eine Mittelwand aus Wachs mit einem Wabenvordruck bereit. Die Biene spart somit Zeit und Material für den Wabenbau, was schlussendlich zu mehr Honig führt und dafür werden die Bienen schlussendlich gehalten.

Gibt es keine Mittelwände mit Wabenvordruck, dann bauen die Bienen alles selber.

Ein Bienenvolk produziert pro Jahr etwa 500-800 g Bienenwachs.

Bienen auf einer Bienenwabe
Die Bienenwaben sind aus Bienenwachs gebaut.

Vom Bienenstock zu uns

Bienenwachs wird aus den Waben gewonnen. Dazu werden diese eingeschmolzen (natürlich ohne Honig drin). Zum Einschmelzen gibt es unterschiedliche Methoden:

  • Traditionell durch auskochen im Wasser
  • Via Sonnenenergie über einen Sonnenschmelzer
  • Direkte elektrische Beheizung
  • Extraktion mit Dampf

Nach der Extraktion ist der Bienenwachs noch nicht rein und muss daher gereinigt werden. Dafür wird der rohe Bienenwachs in ein Wasserbad von 75-80° C gegeben. Durch die unterschiedliche Dichte von Wasser und Wachs steigt der Bienenwachs nach oben und die Schmutzpartikel sinken nach unten. Eine andere Option für die Reinigung wäre auch die klassische Filterung.

Im Verkauf wird Bienenwachs meistens als Pellets oder in Blöcken verkauft. Die Pellets sind sehr praktisch, da sie eine einfache Weiterverarbeitung ermöglichen.

Sonnenschmelzer
Sonnenschmelzer zur Extraktion von Bienenwachs

Qualitätsanforderungen an Bienenwachs

Bienenwachs ist ein Naturprodukt. Farbe und Geruch können variieren: Von fast weiss bis hin zu dunkelgelb ist alles möglich. Frisch produzierter Bienenwachs ist farblos. Die gelbe Farbe kommt von Propolis- und/oder Pollenfarbstoffen.

Die physikalischen Eigenschaften von Bienenwachs sind einfach:

  • Schmelzpunkt: 61 – 65° C
  • Dichte: 0.50 – 0.965
  • Brechungsindex (bei 75° C): 1.440 – 1.445

Die Zusammensetzung von Bienenwachs ist wie folgt:

MessgrösseWert
Verschiedene Ester67 g / 100 g
Kohlenwasserstoff14 g / 100 g
Freie Säuren12 g / 100 g
Alkohole1 g / 100 g
Andere6 g / 100 g
Säurezahl18 – 23
Esterzahl70 – 80
Peroxidzahlmind. 8

Bienenwachs muss per Definition rein sein. Grobe Verfälschungen können durch die obigen Kennzahlen nachgewiesen werden. Eine exakte Nachweisung kann nur durch Gaschromatographie der Inhaltsstoffe festgestellt werden.

Bienenwachs im Bienenwachstuch

Für uns ist Bienenwachs neben Baumwolle der wichtigste Rohstoff. Der Bienenwachs ist Hauptverantwortlich sowohl für die typischen Eigenschaften des Bienenwachstuchs als auch den typischen Geruch. Man merkt sofort wenn „gewachst“ wird. Glücklicherweise ist es ein sehr angenehmer Duft.

Wir haben sehr lange überlegt, welche Qualität von Bienenwachs wir verwenden sollten und haben uns schlussendlich für Bienenwachs, welcher Lebensmittelstandards erfüllt entschieden. Mit zunehmendem Alter des Bienenwachstuchs wird der Wachs spröde und kann in kleinsten Mengen abbröckeln. Da der Wachs für Lebensmittel zugelassen ist, ist es jedoch absolut unbedenklich.

Immer wieder erstaunlich und auch zu einem gewissen Grad demütigend zu sehen, was die Natur zu Stande bringt.

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