Erfrischungsgetränk auf Gemüsebasis gegen Food Waste

Ganz zufällig hab ich einen kurzen Bericht über das Getränk Brodo Salé im Radio gehört. Brodo Salé ist weder ein Energy Drink, noch eine neue Biersorte und auch kein Schnaps. Brodo Salé ist ein „Erfrischungsgetränk“ auf Gemüsebasis: Brokkoli und Karotten und noch ein paar andere Geheimnisse. Die Erfinder bekämpfen damit den Food Waste hier in der Schweiz.

*Nase rümpfen erlaubt.*

Schlechte Erinnerungen aus der Vergangenheit

In meinen kühnsten Träumen kann ich mir nicht den Geschmack vorstellen. Es erinnert mich eher an den scheusslichen Piotta Karottensaft, welchen ich von meiner Grossmutter eingeflösst bekam. Ein Erfrischungsgetränk auf Gemüsebasis… da kommen noch andere böse Erinnerungen an die Vergangenheit auf:

Aber damit noch nicht genug. Wir schreiben das Jahr 19xx. Mein Bruder und ich sind auf einer Radtour, haben irgendwo im freien geschlafen, sind in den frühen Morgenstunden vor den Mücken geflüchtet und kochen uns zum späten Frühstück einen heissen Gemüsebuillon. Wir essen ein paar Löffel und haben die schlaue Idee, den Rest in unsere Trinkflaschen zu giessen: warmes salziges Getränk: Was könnte es besseres für Radfahrer geben. Nach ein paar Minuten Fahrt der erste Griff zur Flasche. … es sollte auch der letzte bleiben.

Zurück im Jahr 2018 behaupten die beiden Erfinder von Brodo Salé, ein erfrischendes Getränk erfunden zu haben:

Die fein gesalzene Erfrischung auf Gemüsebasis eignet sich hervorragend als Stärkung zwischendurch, als Apéro zu einem herzhaften Häppli oder als isotonische Stärkung beim Sport.

Glauben tue ich das erst, wenn ich es selber probiert habe, doch legen wir mal den Geschmacksteil zur Seite, das ist grösstenteils eine persönliche Meinung, ist bei mir aber halt nun mal negativ vorbelastet. Von der Kernidee dieses Produkts bin ich begeistert: Essensreste verwenden. Ein klassisches Upcycling: Abfall von einem Produkt wird zum Rohstoff für das nächste Produkt.

Dazu ein paar erschreckende Facts von Foodwaste.ch:

Rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel geht zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Das entspricht pro Jahr rund 2 Millionen Tonnen Nahrungsmittel oder der Ladung von rund 140‘000 Lastwagen, die aneinandergereiht eine Kolonne von Zürich bis Madrid ergeben würden. Fast die Hälfte der Abfälle werden in Haushalten und der Gastronomie verursacht: Pro Person landen hier täglich 320 Gramm einwandfreie Lebensmittel im Abfall. Dies entspricht fast einer ganzen Mahlzeit.

Projekte und Startup, welche den Food Waste bekämpfen

Huch und auch wenn ich meinen Haushalt anschaue muss ich mich das eine oder andere Mal schuldig bekennen: Kiloweise Äpfel vom Baum, welche ich nicht abgelesen oder verarbeitet habe, die Kartoffeln, welche „vergessen“ gingen, der Reis, welcher sich gekonnt ganz hinten im Kühlschrank bis zum Tode versteckt hat, die Apfelschale, welche im Kompost landet und und und.

Laut den Herren von Brodo Salé ist es in der Gastronomie noch viel schlimmer. Umso erfreulicher zu sehen, dass der Zero Waste Trend auch im Bereich Lebensmittel am Laufen ist:

  • Brodo Salé, ist der Versuch, Gemüse Abfälle zu einem Erfrischungsgetränk zu verarbeiten. Dazu läuft aktuell eine Crowdfunding Kampagne. Wobei es nicht sehr vielversprechend ausschaut, dass das Produkt auch wirklich umgesetzt werden kann.
  • Wastee. Die App, welche das Uber unter den Lebensmitteln werden soll: „Wastee funktioniert wie dein Lieblingsflohmarkt um die Ecke, nur viel einfacher und für Lebensmittel. Foto machen, Titel, Beschreibung und Preis angeben (falls gewünscht) und schon findet jeder in deiner Nähe dein Produkt.“ Wird aber erst funktionieren, wenn eine kritische Masse die App auch installiert hat.
  • Tischlein Deck DichTischlein deck dich rettet Lebensmittel vor der Vernichtung und verteilt sie armutsbetroffenen Menschen in der ganzen Schweiz. Pro Woche erreichen wir an unseren 127 Abgabestellen rund 18’400 Menschen in Not. Laut Webseite rettete „Tischlein Deck Dich“ letztes Jahr 4’000 Tonnen Essen. Klingt nach viel. Sehr viel. Setzt man es aber ins Verhältnis, dann ist es verschwindend wenig, nämlich gerade mal 0.2%. Die restlichen 99.8% landen immer noch im Müll.

Ob es die Projekt/Startups jemals schaffen den Massenmarkt geschweige denn eine Nische zu besetzen, steht in den Sternen geschrieben und dennoch finde ich die Idee genial.

Occasionally, a good idea comes to you first, if you’re lucky. Usually, it only comes after a lot of bad ideas. [Alex Bloomberg]

Hast du eine Idee, wie wir verhindern könnten, dass Essensreste einfach im Müll landen? Stell dir eine Welt vor, wo 100% wir 100% der Nahrungsmittel verwerten: Wir wären alle übergewichtig, weil es so viel essen gäbe oder noch besser: es gäbe auf der Welt keine Hungernöte.

Ich klinge wie der Moralapostel von nebenan und weiss, dass auch ich schuldig bin… und vielleicht braucht es gar keine neu noch bessere Idee oder Technologie, sondern einfach mehr Verständnis und Mühe eines jeden Einzelnen. Wie haben meine Eltern vor vielen Jahren jeweils gesagt: „Was auf dem Teller ist wird gegessen.“ Oder was gekauft wird wird verwendet.

Tipps und Tricks gegen Food Waste

Hier ein paar einfache Tipps (gefunden via foodwaste.ch):

  • Wenn man einen Apfel in den Brotkasten legt, bleibt das Brot länger frisch!
  • Gurken reagieren sehr empfindlich auf das Reifegas Ethylen. Sie sollten daher nicht in der Nähe von Tomaten oder Äpfeln gelagert werden.
  • Hartgekochte Eier bleiben länger haltbar, wenn sie nicht abgeschreckt werden (das Abschrecken der Eier hilft nicht, sie besser schälen zu können).
  • Reife und überreife Bananen können eingefroren werden! Bananenschale entfernen, in Stücke schneiden und einfrieren – dann kann Portionenweise darauf zurückgegriffen werden für Milchshakes, Desserts oder Kuchen.
  • Wenn man die Kartoffeln ungewaschen (mit Erde) kauft, sind sie viel länger haltbar.
  • Um weiche Guetzli wieder knusprig zu machen kann man sie entweder in den Ofen geben oder in einer offenen Verpackung in den Kühlschrank legen (Achtung: nicht neben stark riechenden Lebensmitteln!).
  • Waren Joghurts gerade Aktion und du hast zu viele gekauft? Joghurts kannst du auch einfrieren und dann als Eis servieren!
  • Welken Salat oder älteres, ausgetrocknetes Gemüse (z.B. Karotten oder Radieschen) für eine Stunde ins Wasser einlegen – dadurch werden sie wiederbelebt!

Zurück zum Brodo Salé. Ich werde die Kampagne „backen“ und hoffen, dass ich bald Tester von Brodo Salé sein kann. Wer weiss, vielleicht war ich ja im Unrecht und es wird mein neues Lieblingsgetränk.